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Applaudierendes Publikum bei der Lehrpreisverleihung für Medizin

Manuela Schallenburger

In Grenzsituationen kommunizieren

Wie reagiere ich, wenn Patient:innen einen Todeswunsch äußern? Wie gehe ich mit jemandem um, der schwer und lebenslimitiert erkrankt ist? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Wahlfächer, die Manuela Schallenburger vom interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin unterrichtet. Studierende loben ihr „umfangreiches und wissenschaftlich fundiertes Wissen zu sensiblen Themen, die im Rahmen des Medizinstudiums nur wenig behandelt werden“ und haben die Pflegewissenschaftlerin daher für den Lehrpreis in der Kategorie kleine Veranstaltungen nominiert.

Was ist das Besondere an Ihrem Lehrformat?
Zum einen sicherlich das sensible Thema. Palliativmedizin ist etwas, wo man häufig anfangs scheu ist, bis man merkt, dass es auch hier nur um Menschen geht, mit denen man ganz normal umgehen kann. Die Patient:innen schlüpfen beim Wahlfach in die Rolle des Lehrenden, indem sie sagen, was sie sich von Ärzt:innen wünschen und welche Erfahrungen sie gemacht haben.
Zum anderen versuchen wir die Studierenden individuell abzuholen. Wir gehen auf ihre Interessen ein und auch auf die Lebenserfahrung, die sie selbst mitbringen. Sie dürfen offen Fragen stellen, dafür bieten wir ihnen einen geschützten Raum. Wir geben insofern nicht nur geballtes Wissen mit, sondern gehen auch viel auf Erfahrung ein, sodass die Studierenden sich reflektieren und eine Haltung entwickeln. 

Was macht für Sie gute Lehre aus?
Dass man sich auf Augenhöhe mit den Studierenden begibt und mit einbezieht, was ihre Vorstellungen sind und was sie genau wissen wollen. Außerdem sollten Studierende bei guter Lehre die Möglichkeit haben, sich interaktiv zu beteiligen und es sollte nah an der Praxis sein. 

Was war für Sie in der Lehre die größte Herausforderung?
Eine Herausforderung war für mich, zu lernen, wie ich die Studierenden abholen muss. Dass ich mich auf Augenhöhe begeben kann und meine Lehre so gestalte, dass die Studierenden etwas davon mitnehmen. Man lernt da auch gemeinsam. Wir machen zum Beispiel immer eine Feedbackrunde, in der alle Teilnehmenden sagen können, was sie brauchen.  

Was war für sie eine schöne Erfahrung als Lehrende?
Es ist immer schön, wenn die Studierenden die Rückmeldung geben, dass sie viel aus den Wahlfächern mitgenommen haben. Und dass sie merken, es gehört zur Fachkompetenz von Ärzt:innen, Patient:innen auf Augenhöhe zu begegnen, mit ihnen zu kommunizieren und sich auf die individuelle Patientensituation einlassen zu können. In Gesprächen mit Patient:innen oder Schauspieler:innen, die Patient:innen darstellen, können die Studierenden ihre erworbenen Kenntnisse gleich anwenden und es ist toll, wenn von der Patientenseite dann die Rückmeldung kommt, wie angenehm das Gespräch war. 

Wie haben Sie reagiert, als Sie von der Nominierung erfahren haben?
Ich habe die E-Mail gesehen, während ich in einem Online-Termin war und musste meine Freude zunächst etwas zurückhalten. Innerlich bin ich vor Freude geplatzt. Da die Nominierung von Studierenden kommt, ist es etwas Besonderes. Das Wahlpflichtfach „Umgang mit Todeswünschen“ haben wir letztes Semester das erste Mal angeboten und die Vorbereitung war unglaublich hart. Ich hatte einen guten Zeitplan, und dann kam Corona und hat alles durcheinandergebracht. Parallel haben wir Ärzt:innen und Pflegepersonal auf Covid-Stationen zum Thema Kommunikation mit Patient:innen geschult. Mit viel Arbeit haben wir es geschafft, das Seminar zum Umgang mit Todeswünschen trotzdem im Sommer zu starten. Die Nominierung zeigt mir noch einmal: Dafür hat sich die ganze Arbeit gelohnt. 

Was sollten Ärzt:innen in der Kommunikation mit Patient:innen unbedingt beherzigen?
Sie sollten sich auf die individuelle Patientensituation einlassen und Situationen aushalten können. Man muss akzeptieren, dass man die Situation, gerade im Bereich Palliativmedizin, nicht ändern kann, man kann aber für die Patientin oder den Patienten da sein. Man kann die Situation selbst nicht verstehen, weil man nicht darin steckt, aber man kann da sein und versuchen den Patient:innen zu zeigen, dass man bereit ist diese Schwere gemeinsam auszuhalten.  

Welche Pläne haben Sie mit dem Preisgeld?
Es wird auf jeden Fall zur Weiterentwicklung unserer Lehre beitragen, zum Beispiel zu einem neuen Wahlfach. Und auch hinter dem E-Learning stecken immer viele Kosten. Außerdem würde ich mich gerne didaktisch weiterbilden, um als Lehrende besser zu werden. 

Welchen Rat würden Sie jungen Kolleg:innen geben, die gerade mit der Lehre anfangen?
Sie sollen sich einfach darauf einlassen. Dazu würde ich aber immer sagen: „Sei nicht so nervös, die Student:innen sind total nett und freuen sich, wenn da jemand ist, der sich wirklich mit dem Thema und ihnen beschäftigt.“ 


Manuela Schallenburger wurde in der Kategorie Nachwuchswissenschaftler:in ausgezeichnet.

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