Die Frage, wie es nach dem Abitur, Fachabitur oder insgesamt im Leben weitergehen soll, beschäftigt viele junge Menschen regelmäßig. Für diejenigen, die Einblicke in das Berufsfeld Wissenschaft gewinnen möchten, haben die Diakonie RWL und die Medizinische Fakultät der HHU mit dem FWJ ein Programm ins Leben gerufen, das es jungen Menschen zwischen 16 und 26 ermöglichen soll, erste praktische Einblicke und Erfahrungen in der Forschung zu sammeln. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) ermöglichen Diakonie und Fakultät es jungen Menschen, sich wissenschaftlich auszuprobieren, zu orientieren und die eigene Berufs- und Studienwahl gezielt zu vertiefen. Dafür arbeiten sie auch an realen Forschungsprojekten aus der Gehirnforschung, der Krebsforschung und der vaskulären Forschung mit und gewinnen so Einblicke in die Medizin der Zukunft.
Die vier jungen Frauen Yara, Sydney, Frida und Marissa haben sich der Herausforderung gestellt und sammeln nun seit November letzten Jahres Erfahrung im Labor, am Mikroskop und in der Datenanalyse. Gemeinsam haben sie, dass sie sich schon seit der Schulzeit für naturwissenschaftliche Fächer begeistern. „In der Schule war Biologie immer mein Lieblingsfach. Ich wusste aber damals schon, dass ich beruflich auch den medizinischen Aspekt mit einbinden möchte“, sagt etwa Yara, die ihr FWJ im Institut für Neuropathologie (UKD) leistet.
So divers wie die eingesetzten Institute ist auch der Alltag der FWJlerinnen. Im Institut für Neuropathologie unterstützt Yara eine Arbeitsgruppe, die die Entstehung und Veränderung von Hirntumoren und Hirnmetastasen untersucht. Dazu verbringt sie ihren Alltag größtenteils im Labor, wo sie mit Hilfe moderner Technologien Tumorproben auf molekularer Ebene untersucht. Ihre Ergebnisse werden zwar noch nicht in der Patientenversorgung genutzt, sie dienen aber der Forschung und fließen in Studien mit ein. Im Laufe ihres FWJs hat Yara die Möglichkeit, alle Bereiche der molekularen Tumorpathologie zu entdecken und so die Abläufe kennenzulernen.
Ähnlich gestaltet sich auch Sydneys Alltag. Im Institut für Pathologie ist sie ebenfalls im Labor tätig, wo sie sich um Zellkulturen kümmert, organische Proben verarbeitet und anschließend färbt und unter dem Mikroskop analysiert. „Ich hatte immer schon großes Interesse an der Wissenschaft, wollte mich aber vorher unbedingt in der Praxis erproben“, berichtet sie.
Der Alltag von Marissa unterscheidet sich hingegen: Sie verbringt den Großteil des Tages nicht im Labor, sondern in ihrem Büro im Institut für Anatomie I. Dort ist sie Teil der neurowissenschaftlichen Arbeitsgruppe und wertet Daten zur Gehirnalterung aus, um Zusammenhänge zwischen Alkoholkonsum, Sport, Rauchen, sozialen Kontakten und der Gehirnalterung zu finden. „Mein Ziel ist es, den Prozess, den ein Forschungsprojekt durchläuft, einmal von der Datenaufbereitung, über die statistische Analyse bis hin zum Manuskript zu durchlaufen“, berichtet sie. Dafür durfte sie auch schon das Forschungszentrum Jülich besichtigen, mit dem eine institutionelle Kooperation des Instituts für Anatomie I sowie mit verschiedenen anderen Instituten der HHU besteht.
Auch Frida arbeitet in der Klink für Gefäß- und Endovaskularchirurgie an einem Teilprojekt mit. Dort unterstützt sie eine Arbeitsgruppe, die mögliche Wirkstoffkandidaten für Aortenerkrankungen erforscht. Sie pflegt Zellkulturen, arbeitet Gewebe auf und färbt dieses für mikroskopische Untersuchungen. Anschließend wertet Frida die Ergebnisse aus. „Im Labor arbeite ich eng mit der Betreuerin, den Doktorandinnen, Doktoranden und internationalen Studierenden zusammen. Zu Beginn habe ich natürlich noch viel zugeschaut, inzwischen bin ich aber selbstständiger. So bin ich unter Anleitung zuständig für den Teil eines Projekts bei dem ich untersuche, welche Wirkstoffe nach einer Abklemmung der Aorta wirken könnten.“
Betreut werden die FWJlerinnen in den Instituten durch ihre Praxisanleitenden – das sind wissenschaftliche Mitarbeitende, deren Forschungsprojekte sie begleiten und die bei Fragen und der Umsetzung der Projekte unterstützen. Die vier Praxisanleitenden Dr. Marietta Wolter (Institut für Neuropathologie,), Dr. Martin Schlensog (Institut für Pathologie), Dr. Wiebke Ibing (Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie) und PD Dr. Christiane Jockwitz (Institut für Anatomie I) ermöglichen den FWJlerinnen nicht nur Einblicke in die eigene Forschung, sondern auch in den gesamten Fachbereich und benachbarte Forschungsgruppen.
Der besondere Erfolg des Projekts zeigt sich, wenn man die vier Teilnehmerinnen nach ihren Zukunftsplänen fragt. Die einheitliche Antwort: Studieren – natürlich ein biomedizinisches Fach.
Das FWJ wird als Freiwilliges Soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienst absolviert. Träger ist das Zentrum Freiwilligendienste der Diakonie RWL. In begleitenden Seminaren kommen die Freiwilligen mit jungen Erwachsenen aus anderen Einsatzfeldern zusammen, tauschen Perspektiven aus und schärfen ihren Blick auf Arbeitswelt und Gesellschaft. Hinzu kommt eine individuelle Begleitung als Halt durch das Jahr und mit Raum für persönliche Entwicklung. Jährlich vermittelt die Diakonie RWL fast 2.000 junge Menschen in soziale Arbeitsfelder. Das FWJ ist die jüngste Erweiterung – in den Bereich Wissenschaft.