29.09.2020 11:26

Netzwerk Universitätsmedizin zu COVID 19

Palliativversorgung in Pandemiezeiten

Von: Redaktion

1.10.2020 - Auch in Pandemiezeiten ist die Versorgung von schwerkranken und sterbenden Menschen eine wichtige Aufgabe, unabhängig davon, ob die Patienten an einer Covid-19-Infektion oder einer anderen schweren Erkrankung leiden. In der aktuellen Pandemiesituation war die Versorgung von schwerkranken und sterbenden Menschen schwierig und nur mit Einschränkungen möglich.

Es gibt Hinweise, dass eine ausreichende Palliativversorgung zeitweise nicht möglich war – sowohl für die Sterbenden als auch für die Nahestehenden, die Abschied nehmen wollten. So wurden zum Beispiel an einigen Standorten Palliativstationen geschlossen und in Covid-19 Isolierstationen umgewandelt. In anderen Städten wurde ambulanten Palliativteams zu Beginn der Pandemie der Zutritt zu Palliativpatienten in Altenheimen verwehrt. Das Projekt Palliativversorgung in Pandemiezeiten (PallPan) widmet sich diesen Problemstellungen.

PallPan wird vom Forschungsnetzwerk universitäre Palliativmedizin durchgeführt. Dazu haben sich zwölf universitäre palliativmedizinische Einrichtungen und weitere Kooperationspartner, insbesondere aus der Infektiologie im Rahmen des bundesweiten Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) zusammengeschlossen. In dem Forschungsvorhaben werden alle Bereiche der Hospiz- und Palliativversorgung (allgemein und spezialisiert, ambulant und stationär) berücksichtigt, damit die Vielschichtigkeit und die Komplexität der Pandemiesituation für die Versorgung von Menschen am Lebensende und deren Nahestehende angemessen abgebildet werden kann. Um für zukünftige Pandemiephasen besser vorbereitet zu sein – die Pandemic Preparedness ist eines der Ziele des Netzwerks - soll bis März 2021 eine Nationale Strategie für die Betreuung schwerkranker, sterbender Erwachsener und deren Angehöriger in Pandemiezeiten erarbeitet werden. Dazu gehören wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen zur allgemeinen und spezialisierten Palliativversorgung. Darüber hinaus wird Material für die geplante NUM-Informationsplattform gesammelt sowie die Parameter zur prospektiven Erfassung der Qualität der Palliativversorgung in Pandemiezeiten identifiziert.

Das Interdisziplinäre Zentrum für Palliativmedizin am Universitätsklinikum in Düsseldorf ist gemeinsam mit der Paralleleinrichtung der Uniklinik Würzburg für die Beschreibung und Analyse von Erfahrungen, Herausforderungen und Lösungsansätzen in Bezug auf die Betreuung von schwer kranken, sterbenden und verstorbenen Patienten (mit/ohne COVID-19) , deren Angehörigen und Hinterbliebenen in Krankenhäusern der Regel-, Schwerpunkt-, sowie der Maximalversorgung außerhalb von Palliativstationen zuständig. Dies umfasst die Versorgung von Sterbenden und den ihnen Nahestehenden auf den unterschiedlichen Normalstationen ebenso wie auf spezialisierten Stationen (wie z.B. Intensivstation, Aufnahmestation, Isolationsstationen, Psychiatrie, etc.).

Unter Federführung des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin der Uniklinik Würzburg ist noch im Spätherbst eine bundesweite online-Befragung von Krankenhausärzten, Pflegenden und weiteren, patientennah arbeitenden Berufsgruppen (Sozialdienst, Seelsorge, Therapeuten) geplant.

Für die Erfassung der spezifischen Herausforderungen und Bedürfnissen von Patienten mit besonderen Risiken (Multimorbidität, kognitive Einschränkungen, Demenz, etc.) oder besonderen Belastungen (Intensivpatienten und Isolationspatienten) sind qualitative Interviews und Fokusgruppen geplant, die vom Interdisziplinären Zentrum der Universitätsklinik in Düsseldorf organisiert und durchgeführt werden. Erste Ergebnisse der beiden Teilprojekte sind im Dezember zu erwarten. Dr. Martin Neukirchen, leitender Arzt des Düsseldorfer Palliativzentrums, freut sich sehr über den positiven Bescheid: „Vor dem Hintergrund der dramatischen Eindrücke der letzten Monate liegt uns dieses Projekt sehr am Herzen. Die Zusammenarbeit mit den anderen Palliativzentren wird uns unbedingt bereichern. Wir hoffen sehr, mit den Handlungsempfehlungen wichtige Impulse für die wichtige Aufrechterhaltung einer guten Umsorgung von Palliativpatienten auch in Pandemiezeiten geben zu können.“

Hintergrund: Das Projekt PallPan

Am Projekt Palliativversorgung in Pandemiezeiten sind die Universitätsklinika in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Erlangen, Freiburg, Göttingen, Hannover, Jena, Köln, München, Rostock und Würzburg beteiligt. Das Gesamtvolumen der Förderung für alle an PallPan teilnehmenden Einrichtungen liegt bei 1 Mio. Euro. Die Gesamtleitung haben Prof. Dr. med. Claudia Bausewein vom LMU Klinikum München und Prof. Dr. Steffen Simon von der Uniklinik Köln.

Am Standort Düsseldorf die Verantwortlichen Dr. Martin Neukirchen, leitender Arzt des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin sowie seine Stellvertreterin Frau Dr. Jacqueline Schwartz.

Kontakt: Dr. Martin Neukirchen, Leitender Arzt, Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin, Universitätsklinikum Düsseldorf, Tel.: 0211 / 81 08700, Neukircm(at)hhu.de

 

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenDekanat der Medizinischen Fakultät der HHU