13.11.18 10:27

Aktuelle Übersichtspublikation aus der Klinik für Neurologie

Gute Diagnose gleich gute Therapie von Immunneuropathien

Von: Redaktion, HPH, Susanne Dopheide

Polyneuropathien, Erkrankungen mehrerer peripherer Nerven, sind ein häufiges Krankheitsbild nicht nur in der Neurologie, sondern auch in der Allgemeinmedizin. Für die große Gruppe der Neuropathien, die auf eine Autoimmunreaktion des Organismus gegen Bestandteile der peripheren Nerven zurückgehen, gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten. Voraussetzung dafür ist die richtige und möglichst frühzeitige Diagnose.

Die Klinik für Neurologie, geleitet von Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, verfügt über einen klinischen-wissenschaftlichen Schwerpunkt im Bereich der Immunneuropathien. Foto: Universitätsklinikum Düsseldorf, Unternehmenskommunikation

Patienten wenden sich mit ihren Beschwerden meistens zunächst an den Hausarzt. Sie klagen über Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheit oder Bewegungsschwäche und auch Störungen der Darm- und Sexualfunktionen. "Hier ist eine frühzeitige Abklärung der charakteristischen Symptome immens wichtig", sagt Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Die häufigsten Ursachen der Neuropathien in unseren Breiten sind Diabetes und Alkohol. Für die große, aber wenig einheitliche Untergruppe der Neuropathien, sogenannte "immunvermittelte Neuropathien", die auf eine Autoimmunreaktion des Organismus gegen Bestandteile des Nervenkabels bzw. seiner isolierenden Hülle, der sog. Myelinscheide, zurückgehen, gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten. Voraussetzung dafür ist die richtige und möglichst frühzeitige Diagnose.

In einer Übersichtsarbeit, aktuell erschienen in der Reihe Nature Reviews Disease Primers, beleuchten Prof. Dr. Bernd Kieseier und weitere Mitarbeiter der Klinik für Neurologie unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Peter Hartung Fortschritte in der klinischen Klassifikation dieser immunvermittelten Neuropathien, ihrer Ursachen einschließlich der molekularen Entstehungsmechanismen sowie der Immuntherapie dieser mitunter schweren Erkrankungen.

Prof. Dr. Hartung erläutert die Bedeutung der genauen Klassifizierung der Neuropathien: "Es sind häufige, zum Teil schwerwiegende Erkrankungen. Zunächst unspezifische Symptome werden nicht selten übersehen oder nicht beachtet. Zugrunde liegende Erkrankungen müssen rechtzeitig diagnostiziert und behandelt werden. Dadurch können wesentliche Behinderungen und Beeinträchtigungen der Lebensqualität vermindert oder verhindert werden." Die Behandlungsmöglichkeiten der Neuropathien hängen ganz entscheidend von ihrer spezifischen Ursache ab. Die Diagnosestellung ist jedoch oft nicht leicht. Heute ist aufgrund eines besseren Verständnisses der zugrundeliegenden molekularen Mechanismen und einer damit möglichen Differenzierung der Neuropathien, eine spezifischere und erfolgversprechendere medikamentöse Beeinflussung der fehlgeleiteten Immunreaktionen möglich.

Die Düsseldorfer Klinik verfügt über einen klinischen-wissenschaftlichen Schwerpunkt im Bereich der Immunneuropathien. Sie ist auch eines von drei europäischen Centers of Excellence der US-amerikanischen GBSCIDP International Foundation. Eine schwere immunvermittelte Neuropathie ist z.B. das Guillain-Barré Syndrom. Es entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit und schreitet fort bis zur Lähmung aller Extremitäten und bedarf der Beatmung erkrankter Personen. Guillain-Barré hat immer noch eine Sterblichkeit von zwei bis drei Prozent aller Erkrankten zur Folge. Eine subakut über Monate bis Jahrzehnte verlaufende Variante ist die die chronische inflammatorische demyeliniserende Polyneuropathie (CIDP), die zu wesentlicher Behinderung führen kann.

"Die erheblichen Fortschritte in der Aufklärung der Ursachen und Mechanismen jener Gruppe von Neuropathien, die Folge einer Fehlfunktion des Immunsystems sind, haben neue immuntherapeutische Zugänge eröffnet", sagen die Autoren des Beitrags. "Weitere Optionen werden klinisch erprobt. Durch den Einsatz immuntherapeutischer Medikamente kann ebenfalls die Prognose dieser Erkrankungen deutlich verbessert werden. Insofern ist die frühzeitige Abklärung auf Neuropathien hinweisender Symptome und Befunde schon in der Allgemeinarztpraxis von erheblicher Bedeutung."

Originalpublikation:

Kieseier BC, Mathey EK, Sommer C3, Hartung HP.
Immune-mediated neuropathies. undefinedNature Reviews Disease Primers. 2018 Oct 11;4(1):31. doi: 10.1038/s41572-018-0027-2.

Zum Thema:

Progress in Recognizing and Treating Polyneuropathy.
Kieseier BC, Hartung HP. undefinedDtsch Arztebl Int. 2018 Feb 9;115(6):81-82. doi: 10.3238/arztebl.2018.0081.

 

Kontakt: Prof. Dr. H.-P. Hartung, Klinik für Neurologie, hans-peter.hartung@uni-duesseldorf.de

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