Stellungnahme der Medizinischen Fakultät zur Ehrenpromotion Dr. h.c. Udo Klausa

Düsseldorf, 31.01.2019 - Die Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und ihre Vorläufereinrichtungen verleihen seit ihrem Bestehen den Doktorgrad ehrenhalber für hervorragende wissenschaftliche Leistungen oder außergewöhnliche Verdienste um die Fakultät oder die medizinische Wissenschaft.

Im Jahr 1964 verlieh die damalige Medizinische Akademie die Ehrendoktorwürde an Udo Klausa, in dieser Zeit Direktor des Landschaftsverbandes Rheinland. In der Begründung für diese Ehrung wurden seine Verdienste um die Modernisierung der Einrichtungen zur Behandlung geistig und körperlich behinderter Kinder und um die Medizinische Akademie, nämlich sein Einsatz für die Schaffung bester Arbeitsmöglichkeiten im Fach Psychiatrie hinsichtlich der Krankenversorgung, der Forschung und der Lehre genannt.

Klausas Verstrickung in den nationalsozialistischen Staat während des 2. Weltkrieges, als er u.a. im annektierten Oberschlesien als leitender Verwaltungsbeamter tätig war, ist nun Grund für die Medizinische Fakultät, sich von dieser Ehrenpromotion ausdrücklich zu distanzieren. Dies hat der Fakultätsrat der Medizinischen Fakultät am 31. Januar 2019 einstimmig beschlossen. Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unterstützt diese Entscheidung der Medizinischen Fakultät und schließt sich inhaltlich der Auffassung der Medizinischen Fakultät zu dieser Ehrenpromotion an.

Im Licht der Erkenntnisse der jüngsten Publikation von Uwe Kaminsky und Thomas Roth aus dem Jahr 2016 (vgl. Kaminsky / Roth: Verwaltungsdienst, Gesellschaftspolitik und Vergangenheitsbewältigung nach 1945 – Udo Klausa, Direktor des Landschaftsverbandes Rheinland 1954 – 1975, Berlin 2016) sowie weiterer Publikationen (Fulbrook, Mary, 2012) musste aus Sicht der Fakultät die Ehrenpromotion Klausas neu bewertet werden, was zu der Entscheidung des Fakultätsrats führte, sich davon zu distanzieren. Kaminsky/Roth hatten Klausas Rolle als Leitender Beamter des NS-Unrechtsregimes in Polen untersucht.

Die Fakultät hat darüber hinaus entschieden, die aus heutiger Sicht fragwürdige Entscheidung der damaligen Medizinischen Akademie mit einer Bewertung auf Grundlage der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu versehen und dies öffentlich zu dokumentieren. Weiterhin hat sie ihr Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin beauftragt, die Ehrungen der Fakultät und ihrer Vorläufereinrichtungen wissenschaftlich aufzuarbeiten. Auf diesem Weg möchte sich die Medizinische Fakultät der HHU zu ihrer Geschichte bekennen.

 

 

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