16.08.18 15:58

Medizingeschichte

Deutsch war „lingua franca“ bei schwedischen Ärzten

Von: Redaktion, N.H.

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat erstmals die Trends des Deutschen als Wissenschaftssprache im 20. Jahrhundert bei schwedischen Ärzten untersucht. Die Studie, kürzlich im „World Journal of Urology“ veröffentlicht, zeigt, dass Deutsch bis Anfang der 1940er als dominante Wissenschaftssprache galt.

Die deutsche Medizin verfügte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts über eine große Strahlkraft für schwedische Ärzte. Schwedische Forscher nutzten deutsche Lehrbücher, unternahmen häufig Studienreisen nach Deutschland und präsentierten ihre Forschungsergebnisse auf deutschen Kongressen und in deutschen Fachzeitschriften. Eine neue Studie in Kooperation zwischen der Heinrich-Heine-Universität und der Universität Lund in Schweden, fokussiert die Konjunkturen des Deutschen als Wissenschaftssprache bei schwedischen Ärzten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Grundlagen der Untersuchung bilden mehr als 2000 Fachartikel in den schwedischen Zeitschriften "Hygiea" und "Acta Chirurgica Scandinavica", sämtliche Dissertationen der chirurgischen Kliniken der Universität Lund und des Karolinska Instituts in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die Studie kontextualisiert wesentliche Zäsuren der Verwendung von Deutsch, Englisch und Französisch bei schwedischen Medizinern. Sie dokumentiert, dass die Bedeutung des Deutschen als Wissenschaftssprache im Zweiten Weltkrieg rasant abnahm und dass Englisch die erste Position übernahm.

"Wir konnten rekonstruieren, wie politische und soziale Faktoren Forschernetzwerke und die internationale Kommunikation über die Zeit hinweg beeinflussen. Ich finde es bemerkenswert, wie schnell eine Wissenschaftssprache von einer anderen ersetzt werden kann, sagt Dr. Nils Hansson, Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf.

undefinedStudie: Hansson N, Moll F, Halling T, Uvelius B. Scientific language trends among Swedish urologists and surgeons 1900-1955. World Journal of Urology August 2018 (online first)
https://doi.org/10.1007/s00345 -018-2451-z

Kontakt: undefinedDr. Nils Hansson, Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Heinrich-Heine-Universität Duesseldorf

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