23.09.18 16:00

BMBF-Verbundprojekt in der BMBF-Förderlinie „Gesund – ein Leben lang“

Stress im Job: Prävention in Kleinst- und Kleinunternehmen

Von: Susanne Dopheide

„Pragmatische Lösungen für die Implementation von Maßnahmen zur Stressprävention in Kleinst- und Kleinbetrieben (PragmatiKK)“ heißt ein neues Forschungsverbundprojekt unter der Leitung des Instituts für Medizinische Soziologie, Prof. Dr. Nico Dragano, das über die kommenden vier Jahre mit über zwei Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

Prof. Dr. Nico Dragano und Prof. Dr. Peter Angerer, Foto: Universitätsklinikum Düsseldorf

Stress ist ein häufiges beklagtes Problem in der modernen Arbeitswelt, allgegenwärtiges Thema unter Berufstätigen und in Arztpraxen. Auch Beschäftigte in Kleinst- und Kleinunternehmen (KKU) bleiben davon nicht verschont. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiteten im Jahr 2014 ca. 42 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland in solchen Kleinst- und Kleinunternehmen (KKU); im Handwerk waren es 2015 sogar 81 Prozent aller Beschäftigten. Die kleinen Unternehmen gelten als Rückgrat der deutschen Wirtschaft und in einigen Branchen als zentrale Treiber von Innovationen. Mit der Stressprävention und -Bewältigung in diesen Unternehmen beschäftigt sich ein neues BMBF-gefördertes Projekt an Medizinischer und Wirtschaftswissenschaftler Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Gerade für sehr kleine Unternehmen sind krankheitsbedingte Ausfälle kaum zu kompensieren und können nachhaltige Produktivitätseinbußen verursachen. Wäre Stressprävention schon aus diesem Grund wünschenswert, so scheitern doch häufig Versuche, solche Maßnahmen zu installieren. Die Gründe sind vielfältig, - sie reichen von fehlendem Wissen um funktionierende Maßnahmen, Vorbehalten und Überforderung, sich mit der „Psyche“ der Arbeitnehmer zu befassen bis zu zeitlichen und finanziellen Unmöglichkeit für kleine Unternehmen, derartige Aufgaben externen Fachleuten zu übergeben. Das Problem „Stress im Job“ erledigt sich trotzdem nicht von selbst.

In ihrem aktuellen Report über Ansätze zur Förderung von Prävention in KKU kommt die Europäische Arbeitsschutzagentur EU-OSHA bisher zu einem ernüchternden Fazit: Das Wissen über funktionierende Interventionen in Kleinst- und Kleinunternehmen sei bestenfalls als fragmentarisch zu bezeichnen […]: „Um dies zu ändern, müssen zunächst die wissenschaftlichen Grundlagen geschaffen und darauf aufbauende Strategien zur praktischen Implementation von Maßnahmen der Stressprävention in KKU entwickelt werden“, schreibt die Agentur. Genau hier setzt das Forschungskonsortium an.

Der Verbund wird die Gründe für die fehlende Stressprävention in kleinen Unternehmen wissenschaftlich untersuchen und praktische Strategien entwickeln, wie die Unternehmen, angepasst an ihren Bedarf und ihre Möglichkeiten, unterstützt werden können. Zusammen mit dem Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin (Prof. Dr. Peter Angerer), der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der HHU, Lehrstuhl Betriebswirtschaftslehre (Prof. Dr. Stefan Süß) sowie von Unternehmenspartnern wird als letzter Schritt der Erfolg der Maßnahmen evaluiert.

Eine systematische Betrachtung der Umsetzungsbedingungen ist dringend geboten, so die Wissenschaftler aus Düsseldorf. „Eine erfolgreiche Umsetzung muss sich primär an der Bereitschaft der Zielgruppe ein Angebot tatsächlich zu nutzen orientieren“, sagt Prof. Dr. Nico Dragano, der das Forschungskonsortium leitet. Die Wissenschaftler setzen vor allem auf digitale, web-basierte Lösungen, die einen kostengünstigen und dennoch wirksamen Weg darstellen, Stressprävention im Betrieb zu organisieren. In den letzten Jahren haben sie beispielsweise verstärkt digitale, webbasierte Trainings für Berufstätige entwickelt. Es konnte inzwischen belegt werden, dass sie eine hohe Wirksamkeit besitzen, vergleichbar mit klassischen Person-zu-Person-Maßnahmen. In gesundheitsökonomischen Analysen erwies sich ihr Kosten-Wirksamkeits-Verhältnis sowie Kosten-Nutzen-Verhältnis als günstig.

Der Umfang der eingeworbenen Drittmittel beträgt bei einer Gesamtlaufzeit von vier Jahren 2.072.010 Euro, davon entfallen auf die Medizinische Fakultät allein 879.018 Euro, auf das Institut für Medizinische Soziologie (Konsortialführung) 548.211 Euro und das Institut für Arbeitsmedizin (Prof. Peter Angerer) 330.807 Euro.

Kooperationspartner außerhalb der HHU sind die Leuphana Universität Lüneburg als Spezialisten für Online-Stresstrainings, die K12 Agentur für Kommunikation und Innovation, Düsseldorf, für die Kommunikationsstrategie und Umsetzung eines komplett web-basierten Tools zur Stressprävention und die Universität zu Köln, Wirtschaftswissenschaften, als Spezialisten für Unternehmensführung in KKU und zu wirtschaftlichen Fragestellungen.

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Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit" (02L16D020) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei der Autorin.

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenDekanat der Medizinischen Fakultät der HHU