28.08.19 14:13

Deutsche Befragung zum Rauchverhalten (DEBRA Studie)

Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland für bessere Unterstützung bei der Tabakentwöhnung

Von: Redaktion, Susanne Dopheide

Im Juli dieses Jahres wies die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem aktuellen Welt-Tabak-Bericht auf Nachholbedarf in Deutschland bei der Tabakentwöhnung von Rauchern hin. Prof. Dr. Daniel Kotz, Dr. Sabrina Kastaun und Dr. Melanie Böckmann von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie Jamie Brown und Lion Shahab vom University College London berichten in einer aktuellen Publikation über die hohe Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung für Maßnahmen gegen Nikotinsucht.

Ärztliche Beratung gehört zu den erwünschten Maßnahmen zur Rauchentwöhnung. Foto: Adobe Stock

Die Ergebnisse der soeben online in dem Fachjournal BMJ Open veröffentlichten Ergebnisse der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten (DEBRA Studie) zeigen: Die Mehrheit der 2.080 Befragten (50-68 Prozent) wünscht sich eine Kostenübernahme von bewiesen wirksamen Therapien der Tabakentwöhnung und darin geschultes Gesundheitspersonal. Auch mehr als jeder zweite Raucher spricht sich dafür aus. Die DEBRA-Studie ist eine der umfangreichsten Untersuchungen rund um das Thema Rauchen in Deutschland.

In Deutschland raucht immer noch etwa ein Drittel (29 Prozent) der Bevölkerung Tabak. Im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern wie Italien, dem Vereinigten Königreich und skandinavischen Ländern ist das ein hohes Niveau. Dem gegenüber steht, dass Tabakrauchen der mit Abstand wichtigste gesundheitliche Risikofaktor in Deutschland ist.

Über 80 Prozent der Raucher in Deutschland versuchen immer noch, häufig vergeblich, auf eigene Faust aufzuhören. Anhaltende Tabakentwöhnung gelingt nur dann optimal, wenn dabei Methoden verwendet werden, die bewiesenermaßen helfen, wie Nikotinersatz oder ärztliche Beratung. Ohne diese Methoden schaffen nur drei bis fünf Prozent den anhaltenden Ausstieg, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Heute erhalten in Deutschland nur vier Prozent der Raucher beim Arzt eine Kurzberatung zur Tabakentwöhnung und ein Therapieangebot.

Das liegt auch daran, dass laut Sozialbesetzbuch (SGB) bisher die medikamentöse Unterstützung der Tabakentwöhnung von der Erstattung ausgenommen ist. Solche Medikamente zählen zu den ausgeschlossenen Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln, bei deren Anwendung nur eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund stehe, so das Gesetz. "Die Daten der DEBRA-Studie zeigen, dass dieser Paragraph im SGB aus suchtmedizinischer Sicht unbedingt abgeschafft werden sollte", sagen Daniel Kotz und Sabrina Kastaun. "Mangelnde Akzeptanz auch der Raucherinnen und Raucher stellt kein Hindernis für den Einsatz bewiesen wirksamer Maßnahmen zur Tabakentwöhnung dar."

Damit könnte Deutschland den gesundheitlichen Risikofaktor Tabakrauchen mit all seinen Folgekosten effektiver verringern. Andere europäische Länder haben das bereits geschafft.

Zur DEBRA-Studie:

Sie ist eine repräsentative, fortlaufende, computer-gestützte, persönlich-mündliche Haushaltsbefragung, die zweimonatlich soziodemographische Daten sowie Tabak- und E-Zigarettenkonsum von je ca. 2.000 Personen im Alter von 14 Jahren oder älter erhebt.

Mittlerweile wurden über 38.000 Studienteilnehmer/-innen befragt, damit ist DEBRA ist eine der umfangreichsten Untersuchungen rund um das Thema Rauchen in Deutschland. Beteiligt an der aktuellen Auswertung sind neben der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf auch Wissenschaftler des University College London. Die DEBRA-Studie wurde bis 2019 gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Seit 2019 wird sie vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

Publikation: Kastaun S, Kotz D, Brown J, Shahab L, Boeckmann M. Public attitudes towards healthcare policiesmeasures promoting tobacco cessation in Germany: results from the representative German Study on Tobacco Use (the DEBRA study). BMJ open 2019;

Web: undefinedbmjopen.bmj.com/cgi/content/full/bmjopen-2018-026245

Kontakt:

undefinedDr. Sabrina Kastaun, Dipl.-Psych., Tel. 0211/81- 1 95 27

undefinedProf. Dr. Daniel Kotz, MPH, Tel. 0211/81-1 63 27

Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Allgemeinmedizin

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