30.04.19 14:10

Konsortium forscht für Menschen, die aufgrund einer seltenen Erkrankung ein erhöhtes Krebsrisiko haben / BMBF fördert Forschungsverbund mit zwei Millionen Euro

Hoffnung für Familien mit erblichem Krebsrisiko

Von: Bettina Bandel, MHH Hannover, Redaktion

Ein Unglück kommt selten allein – diese Erfahrung müssen Menschen machen, deren Körper aufgrund einer genetischen Veränderung Schäden am Erbgut nicht ausreichend reparieren kann. Sie haben ein drastisch erhöhtes Krebsrisiko. Betroffene können sich auf Wunsch beim Netzwerk registrieren lassen.

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Oft erkranken sie sogar mehrfach hintereinander an Krebs. Normalerweise treten Schäden am Erbgut häufig auf und werden unbemerkt korrigiert. "Besonders dramatisch ist dies, weil gängige Krebstherapien oft viele lebensbedrohliche Nebenwirkungen hervorrufen können. Diese Patientinnen und Patienten mit Erbgut-Reparatur-Defekten benötigen daher spezifische Krebstherapien", sagt Professor Dr. Christian Kratz, Leiter der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Um bessere Behandlungsstrategien für Personen mit gestörter Erbgut-Reparatur zu entwickeln, wurde das Forschungskonsortium "Translationale Forschung für Personen mit abnormer DNA Reparatur" gegründet. Prof. Dr. Christian Kratz, MHH Hannover, leitet das Konsortium, das die Bereiche Patientenvertretung, Psychosomatik, Frauen- und Kinderheilkunde, Innere Medizin, Krebsforschung, Radiologie, Pathologie und Genetik aus den Standorten Düsseldorf (Zythopathologe Dr. Martin Schramm, Institut für Pathologie), Hannover, Heidelberg und Würzburg einschließt.

Das Team aus Düsseldorf ist in Zusammenarbeit mit Patientenvertreterinnen und -vertretern der Deutschen Fanconi-Anämie-Hilfe e.V. an dem Verbund beteiligt. Mundkrebs bei Fanconi Anämie entsteht oft über erkennbare Vorstufen, die bei der genauen Untersuchung des Mundes von erfahrenen Untersuchern gefunden werden können. „Wir wollen die Früherkennung des Mundkrebses mittels schonender Bürstenabstriche verdächtiger Schleimhautbereiche und molekularer zytopathologischer Diagnostik verbessern“, erläutert Dr. Schramm, Leiter des Düsseldorfer Teilprojekts.

Der Verbund wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als zwei Millionen Euro für drei Jahre gefördert und besteht aus neun Einzelprojekten. Ziele des Verbundes sind unter anderem, den betroffenen Familien, betreuenden Ärztinnen und Ärzten sowie forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine Internet-basierte Plattform zu bieten, über die Informationen verbreitet, Daten eingegeben und Beratungen angeboten werden können.

Das Konsortium arbeitet darüber hinaus daran, die psychosoziale Unterstützung für die Patientinnen und Patienten und deren Familien zu verbessern und die Mechanismen der Syndrom- und der Krebsentstehung weiter zu erforschen. Ziel ist es, Krebserkrankungen mittels verschiedener Verfahren früher, sicherer und schonender zu erkennen. Für eine bessere Krebsdiagnose und zur Entwicklung neuer Therapiestrategien werden Tumore auf der Basis von genetischen Profilen charakterisiert und Tiermodelle etabliert sowie gezielte Hilfsangebote für Betroffene bereitgestellt. Sie können sich aktiv im Rahmen des Konsortiums einbringen und sich hierfür registrieren.

Syndrome mit abnormer Erbgut-Reparatur sind eine Gruppe von seltenen Erkrankungen, bei denen alle Betroffenen ein erhöhtes Risiko haben, an Krebs zu erkranken. Das Konsortium widmet sich elf dieser Erkrankungen: Ataxia-telangiectasia, Bloom Syndrom, konstitutionelle Mismatch Reparatur Defizienz, DNA Ligase IV Syndrom, Dyskeratosis congenita, Fanconi Anämie, Li Fraumeni Syndrom, Nijmegen Breakage Syndrom, Rothmund-Thomson Syndrom, Werner Syndrom und Xeroderma pigmentosum.

Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter www.krebs-praedisposition.de und bei Professor Dr. Christian Kratz, Telefon (0511) 532-6712.

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